PERGAMON Crash-Cymbals BECKEN-Test

Pergamon Crash Becken quer 2020-03-04 20.35.23

Siehe auch Testbericht in DrumHeads!! 3/2020, konventionell Print wie auch als „ePaper/PDF“: https://www.ppvmedien.de/Drumheads-03-2020-Printausgabe-oder-E-Paper

Cymbal-Design-Enthusiasmus

Hinter dem verheißungsvollen antiken Namen Pergamon verbirgt sich – auf alter Handwerkskunst basierend – ein noch junges Unternehmen mit bereits breit gefächertem Becken-Portfolio. Nicht nur einfach im Trend von teil- oder anders abgedrehten und gehämmerten Becken oder der Klangdevise „dry & dirty“ fährt diese türkische Beckenschmiede auch mit innovativen Becken-Kreationen auf.
Mit der bewährten und bekannten B20-Legierung werden bei Pergamon in Istanbul durch aufwendige Handarbeit Becken gefertigt. Schon mal aufgrund der Art der Hämmerung wird hier die Leidenschaft zu ihrem Handwerk deutlich. 
Abgesehen von Pergamons Serien wie zum Beispiel „Ex-sence“, die ohnehin aufgrund ihrer Machart klassischen Becken entsprechen, fällt bei den anderen Fertigungen ein üppiges Oberton-Design auf.
Nach einem energetischem Attack wie man ihn von Crash-Becken erwartet, folgt ein teilweise orientalischer gongartiger Ausklang. Ebenso kann einem ein Sizzle-Sustain-Charakter begegnen. 
Durch das Spielen in Bandproben von dynamischem Funk-Jazz bis harter Rockmusik erwiesen sich diese teilweise auch unsauber wirkenden Obertöne verschmolzen mit der Musik als sehr angenehm warm, harmonisch und somit förderlich wertvoll – also „schmutzig“, aber eben nicht „schrottig“, nervig aufdringlich, sondern eher teilweise extravagant veredelt. Zu viel „Trash“ im Klang würde für viele Stile sogar unpassend sein.

Die Beckenkuppe fällt übrigens außer bei der „Mistral“-Serie überall gleich mittelgroß aus.
Zur Orientierung für Beckenkundige hat Pergamon unter der Kuppe handschriftlich das Gewicht vermerkt; denn Angaben wie „Thin“ oder „Heavy“ sind ja nicht genormt und eben nur eine Kategorisierung. Eine gute Vergleichsübersicht der getesteten Serien erhaltet ihr schon mal durch folgende Tabelle:
Da gerade Obertöne mit etwas Hörabstand schon wieder leicht anders wirken, wurden Hörbeispiele in zwei unterschiedlichen Entfernungen zum Becken aufgenommen; dabei:

  • Rechter Kanal = OverHead-Mikrofon
  • Linker-Kanal = Raum-Mikrofon

Naturgemäß klingen 16-Zoll-Becken generell etwas spritziger als ihre größeren Geschwister und weisen einen geringeren Dynamikumfang bei gleicher Beckenstärke auf.

Blacksmith

Die Blacksmith-Serie sieht nicht nur ganz dunkel aus, so dass die ausgiebige Hämmerung gar nicht so augenscheinlich ist; sie klingt auch ganz dunkel. Es handelt sich also um einen trockenen verwaschenen Klangcharakter mit folglich kurzem Ausklang; eher leiser anmutenden Becken mit somit etwas geringerem Dynamikumfang.
In Räumlichkeiten mit kaum akustischer Dämpfung, wo gerade klassische Becken um so mehr gleich „scheppern“ oder „explodieren“, oder für den Schlagzeugunterricht mit Anfängern, die oft viel zu fest einfach draufhauen, sind diese Becken euer Wohlklangspartner.

Turkuaz

Allein schon die urige Optik machen die Turkuaz-Serie zum Hingucker. Die Hämmerung ist ähnlich wie bei der Blacksmith-Serie, wobei zusätzlich sogar die Kuppe noch gehämmert wurde. Jedes Becken dieser Serie ist anscheinend mehr zufällig durch die Fertigung in unterschiedlichen Naturfarbengemischen gescheckt: von überwiegend Gold-, Ocker, Braun- und Rot-Tönen bis in Grün- und Grau-blau gehende Farbtöne. Bei der für den Test eher schwereren Becken kommt der eher dunkle erdige „Déjà-vu“-Klang von vorderem Orient am stärksten zum Tragen.

Hokka

Bei „Hokka“ handelt es sich von der Fertigung her um eine Kombination aus den klassischen „Ex-sence“ und gezielten Überresten der urigen „Turkuaz“ als nicht abgedrehte Bereiche. Entsprechend dieser Verhältnisse bleibt der klassische Grundcharakter dominierend, jedoch etwas trockener und definierter mit durchsetzungsstarken Obertönen. Durch die verschiedenen erhältlichen Gewichtsklassen kann „Hokka“ für nahezu jede Musikrichtung und unterschiedlichste Lautstärkeanforderungen verwendet werden.

Mistral

„Mistral“ verfügt über eine kleinere Kuppe als die anderen Serien, was in der Regel einen etwas reduzierteren Durchdringfaktor ergibt. Zudem handelt es sich gleichzeitig um die Gewichtsklasse „extra-dünn“, wodurch die Mistral-Becken sowieso eher für softeres und dynamisches Spielen ausgelegt sind; jedoch bei kräftigem Anspielen überraschend schrill explodieren.

Ex-sence

Ex-sence „Medium“:


Ex-sence „Thin“:

Nomad

Fazit

Wenn diese oft eher schmutzigen Obertöne im Einzelklang alleine noch ungewöhnlich, irritierend und womöglich störend oder gar „trashig“ erscheinen mögen, eröffnet sich ihr eigentliches Potential im Zusammenhang mit Musik.
Die Beckenserien haben letztlich in ihrem Spiel- und Klangverhalten im Detail einen deutlichen unterschiedlichen Charakter. Es ist natürlich subjektiv, was jeder bevorzugt. Nicht nur für eher akustische Musikstile, sondern für jeden der gern „(s)einen“ eigenen (Band-)Sound entstehen lassen möchte, sind die Beckenserien eine Fundgrube.
Die große Vielfalt an Serien bei Pergamon, welche hier gar nicht alle vorgestellt werden konnten und die vielen Optionen dabei, lassen scheinbar keine Wünsche offen. Ein Blick lohnt sich in die unerschöpfliche Kreationsvielfalt.

Pergamon Cymbals 16“- & 18“-Crashes

  • Hersteller: Pergamon
  • Herkunft: Türkei
  • Material: B20-Bronze
  • Herstellung: Handgehämmert
  • Serien: Hokka, Blacksmith, Mistral, Turkuaz
  • Kontakt: www.cymbals-shop.de
  • Preise (UVP): 16“ Crash: 184,-EUR; 18“ Crash: 240,-EUR