Lernen ohne Noten !?

Für Lernen ohne Noten ist zwar das Unterrichtsmaterial aufwendiger, aber möglich und für Anfänger eigentlich auch sinnvoll und effektiv.
Bevor es zu Notenkenntnissen geht, ist es ohnehin viel wichtiger, Verständnis für Rhythmus zu erlernen oder Spass an ersten Grooves/Beats zu haben.
Noten kann und sollte dann jeder ganz einfach nebenbei lernen.

Viele Hobbymusiker z. B. am Schlagzeug erreichen übrigens meist eigentlich gar nie  den Spiellevel, wo Rhythmen oder Drum-Beats so komplex sind, dass richtige Noten wirklich das Lesen erleichtern. Nichts desto trotz ist aber das Wissen und Hörenerkennen der restlichen Musiktheorie wie Taktarten, Zählen und für Melodieinstrumente die Tonhöhennamen stark von Vorteil. Wer ernsthaft und vor allem effektiv an seinem Instrument immer weiter und weiter kommen will, wird aber irgendwann weder an richtiger Rhythmiknotation noch an Tonhöhennoten vorbeikommen.

Kann man überhaupt nach Noten trommeln?


Ja, warum nicht!? Prinzipiell bestehen Noten aus der Rhythmusdarstellung/Rhythmusnotation und der Tonhöhendarstellung/Tonhöhennotation. Rhythmus-Notation gilt ohnehin für alle Instrumente gleichermaßen. Es gibt zwar wie z.B. am Klavier keine absoluten Tonhöhen, aber genauso wie für andere Instrumente, lassen sich auch für Schlagzeug die Rhythmen der einzelnen Trommeln und Becken auf unterschiedlichen Notenlinien mit entsprechenden Symbolen notieren. Es gibt daher sehr viel Literatur für Schlagzeug.

Ist das Lernen von Noten schwer?


zu den Klischees –
der ”Rockmusiker” und der ”Klassiker”:
Der Rockmusiker erstummt, wenn man ihm Noten hinlegt, da er entweder Noten gar nicht lesen kann, ihm die nötige Routine fehlt oder weil er sein Blattspiel nie auf ein ausreichendes Niveau gebracht hat.
Das Gedächtnis und das harmonische und rhythmische Gehör sind im Idealfall stärker ausgeprägt. Er ist dadurch meist darauf angewiesen, Stücke zu verinnerlichen. Dadurch entwickelt sich ein umfangreiches Repertoire an Stücken, die er sogar auswendig spielen kann. Freies Spielen und Improvisieren ist ihm sehr wichtig.

Der Klassiker ist verloren, wenn man ihm die Noten wegnimmt, da er nicht gelernt hat, zu improvisieren und sich auf sein Gehör zu verlassen oder wenig Erfahrung hat, wie Stücke harmonische aufgebaut sind.
Der Rockmusiker fühlt sich unwohl, unfrei und gebremst, wenn er nach Noten spielen soll. Es fällt ihm so schwer, dass er all seine Konzentration aufbringen muss, um all die Informationen auf dem Blatt nur zu lesen. Da bleibt nichts mehr übrig um wirklich Musik zu machen, geschweige zu rocken.

Der Klassiker fühlt sich durch sein Notenblatt eigentlich entlastet und frei, da er sich nicht darauf konzentrieren muss, was er spielt. Er kann all seine Energie dafür aufbringen, wie er das Stück spielt. Selbst wenn das Stück neu ist, befindet sich ja nur bekanntes Vokabular darin.
Das Gedächtnis und harmonische und rhythmische Gehör sind oft nicht so stark ausgeprägt, da er es nicht so stark trainiert. Das Repertoire an auswenigen Stücken ist sehr gering.

Vergleich mit Lesen von Schrift:
Der Rockmusiker ist also wie jemand, der nach dem er das ABC gelernt hat, nie einen Satz richtig gelesen hat und immer darauf gewartet hat, bis das Hörbuch oder der Film erschienen ist.
Der Klassiker im Gegenzug hat von klein auf viele Bücher gelesen und kann inzwischen einen Roman innerhalb kürzester Zeit lesen. Vielleicht findet er es so sogar besser, erst einmal seine eigene Fantasy zu entfalten und Interpretation zu finden, bevor er sich mit eigentlichen Nacherzählungen anderer beschäftigt.

Keine Sorge, man kann nebenbei ohne große Anstrengungen automatisch Noten lernen. Es ist eigentlich schon erstaunlich, dass Noten von Vielen so mystifiziert werden und Aversionen entstehen. Für die Einen scheint es etwas Unmögliches zu sein, nach Noten gut ”frei” zu spielen, zu improvisieren oder etwas kompliziertes nach Noten zu spielen. Andere geraden in Panik, wenn man ihnen ihr Notenblatt, ihre ”Krücke”, wegnimmt oder sie ein komplexes Stück auswendig spielen sollen. Wie so oft muss das Eine das Andere nicht ausschließen und beides zu können und zu lernen ist eigentlich nicht so schwierig, sondern im Grunde das Leichteste beim Erlernen eines Instrumentes. Zu dem sind Noten beim Schlagzeug in erster Linie Rhythmusnotation. Die traditionelle Tonhöhennotation findet keine Anwendung. Andererseits ist aber genau die Rhythmusnotation was bei Melodieinstrumenten vernachlässigt wird und gerade Kindern, die noch kein Allgebra hatten, schwer zu verstehen fällt. Wenn es nicht über das Matheverständnis geht, gibt es aber auch andere Methoden, Rhythmen klar zu machen und auch visuell darzustellen bzw. aufzuschreiben oder festzuhalten. Zu letzt darf man nicht vergessen, wie schnell man eigentlich in der Schule das Alphabet und Lesen und Schreiben gelernt hat. Dies ist eigentlich viel komplexer und man provitiert sein ganzes Leben davon – man denkt eigentlich gar nicht darüber nach.

Warum soll man überhaupt Noten lernen?


Sicherlich kann man auch ohne jeglicher Notenkenntnisse musizieren, komponieren oder ein Instrument lernen und u. U. dies sogar auf einem hohen Niveau. Für die meisten Menschen in unserem Kulturkreis geht das Lernen so aber nicht schneller voran, sondern verlangt eher mehr Engagement. Viele stoßen dann am Computer bei Sequenzer-Software auf die Matrix-Schreibweise oder in Foren auf ”Tabs” (engl.). Tabs (Tabulaturen) ist ein Notationssystem, was im Rock- und Popbereich meistens verwendet wird. Wer das Prinzip von Tabs oder Matrix verstanden hat, der wird auch fast genauso schnell Noten lernen. Wer Noten kann, ließt auch mit Leichtigkeit Tabs oder Matrixen.
Noten zu können und lernen hat keinen Nachteil. Es gibt keinen sinnvollen Anlass, Noten letztlich nicht nicht zu lernen. Man erspart sich dadurch nicht wirklich etwas oder wird ein freierer Künstler. Selbst wenn ich Notation nicht beherrsche, richte ich mich bewusst oder unbewusst nach deren Ordnungsprinzipien. Man verschließt sich keine Türen, die man später mit hartem Eifer dennoch öffnen muss, wenn man z.B. mit anderen Musikern auch in Worten kommunizieren will. Zuletzt darf man nicht vergessen, welche Bedeutung oder Vorteil es hat, wenn man etwas schnell einfach aufschreiben kann, um es zu einem anderen Zeitpunkt ohne lange nachzudenken wiedergeben zu können.

Muss ich schon Noten lesen können?


Nein, man muß noch nicht Noten lesen können, um Schlagzeugspielen zu lernen. Für Vieles am Schlagzeugspielen lernen ist perfektes Notenlesen ohnehin nicht das Entscheidende.